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Freizeitgestaltung mit OI Nicole Vorberg

Artikel erschienen im Durchbruch 01 / 2007

Gedanken zum Thema des Workshops am Jugendwochenende in Erfurt 2006

Das mit der Freizeit ist so eine Sache: Manch einer hat zu viel davon und weiß nichts damit anzufangen; manch anderer hat zu wenig davon und möchte diese aber nicht nur verschlafen und verbummeln (natürlich spricht nichts gegen Schlafen und ein bisschen Rumbummeln, aber doch nicht immer...). Beide Gruppen brauchen Ideen für eine sinnvolle und erfüllende Freizeitgestaltung.

Uns Leuten mit OI geht es da nicht viel anders. Aber bei uns kommt noch ein erschwerender Faktor hinzu: Selbst wenn wir die tollsten Einfälle hätten, was wir schon immer mal machen wollten, z.B. Bungeejumping oder Wasserski fahren, bleibt da doch immer noch ein klitzekleines Problem. So mancher wäre da vielleicht frustriert und deprimiert und denkt sich "Nun gut, wenn ich das, was ich mir erträume, nicht funktioniert, dann will ich auch nix Anderes und klemm mich halt vorn Fernseher." Aber das ist doch nicht die richtige Methode! Wenn man etwas nicht tun kann, muss man sich eine Alternative überlegen, die einem sonst Freude bereitet oder eventuell bereiten könnte. Natürlich gibt es nichts gegen das Fernsehschauen (und wenn's manchmal nur angenehme Hintergrundberieselung ist) zu sagen, aber als ausschließliche Freizeitgestaltung doch ein bisschen dürftig, oder? Jedoch stellt sich nun die Frage: Was genau könnte man denn tun, um in seiner freien Zeit Erholung, Freude, Entspannung und Ausgleich vom Alltag, dem Beruf, dem Studium oder der Schule zu finden? Natürlich kann hier nicht annähernd alles beschrieben werden, was auch jemandem mit OI an Möglichkeit offen steht, darüber könnte man wahrscheinlich ganze Bände füllen, aber hier sollen ein paar Vorschläge gemacht werden und Anregungen gegeben werden, selbst Ideen zu entwickeln und sich vielleicht Schritt für Schritt mehr zuzutrauen!
Einen weiteren Einwand könnte man an dieser Stelle vielleicht noch vorbringen: Selbstverständlich stehen einem Typ I oder IV Ol-ler andere (nicht unbedingt mehr) Möglichkeiten zur Verfügung als einem OI-ler mit Typ III. Aber bei meinen Vorschlägen kann ja jeder für sich persönlich abwägen, ob ihm oder ihr der Gedanke an diese oder jene Freizeitbeschäftigung angenehm ist.

Um Ideen und Anregungen zu finden, wie man seine Freizeit gestalten könnte, gibt es verschiedene Ansätze:

Augen und Ohren immer offen halten für neue Ideen, z.B. bei Freunden und Bekannten, in Zeitungen und Zeitschriften, beim Rundfunk und Fernsehen (auch Videotext kann interessant sein), etc.

Und dann gibt es da natürlich noch die "unendlichen Weiten" des Internets! Hier kann man sich nach Herzenslust über alles informieren, stöbern und gezielt suchen.

Hier eine kleine Sammlung von Vorschlägen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat:

Sport:

Schwimmen, Boccia, Kegeln, Minigolf, Ski- oder Schlittenfahren, (Gleit-)Flugzeug fliegen, Tanzen, Paddeln, Qi Gong, Thai Chi, Taekwon Do, Rollstuhl-Hockey, Tischtennis, Federball, Sitz-Fußball, Yoga, Reiten, etc.

Kreativität:

Malen, Zeichnen, Töpfern, Photographieren, Musizieren, Singen, Basteln, Stricken, Sticken, Häkeln, Theater spielen, etc.

Klassisches:

Lesen, evtl. Gedichte, Geschichten oder Tagebuch schreiben, im Internet surfen und chatten, Brief-Freundschaften pflegen, ins Kino gehen, Theater- und Opernbesuche, Gesellschafts-Spiele und Puzzeln, Briefmarken oder Münzen sammeln, etc.

Gruppenaktivitäten:

Wandern, Radeln, Museums- oder Zoobesuche, Shoppen, Kaffeetrinken gehen, Pfadfinder oder eine Jugendgruppe, Volkshochschulkurse besuchen, Reisen, etc.

Doch wie fängt man es eigentlich richtig an?

Fragen, Fragen, Fragen:

Bedauerlicherweise kommt niemand vorbei, und fragt, ob man dieses oder jenes gerne machen würde; so muss man sich also selbst bemühen. Man kann z.B. schriftliche Anfragen an Vereine schreiben oder auch E-Mails an (Sport-) Clubs, oft ist man auch schon mit einem kurzen Telefonat seinem "Traum-Hobby" einen (oder mehrere) Schritt(e) näher.

Gleichgesinnte finden:

Viele Hobbys kann man gar nicht allein ausüben, deshalb ist es wichtig, sich Menschen zu suchen, die die gleichen Interessen haben. Man kann z.B. eine Annonce in die Zeitung setzen und sich dann auf die hoffentlich zahlreichen Antworten freuen...

Eltern, Partner oder Freunde:

Manche Freizeitunternehmungen mag man nicht allein machen, so sollte man die Leute um sich herum fragen, ob sie einem bei den angestrebten Hobbys nicht Gesellschaft leisten wollen, das stärkt auch familiäre Beziehungen, Partnerschaft bzw. Freundschaft

Hoffentlich waren diese Ideen, Anregungen und Vorschläge ein wenig hilfreich.
Bei mir persönlich gab es das Wort "Langeweile" bis zu meinem 9. Lebensjahr in meinem Sprachschatz schon, ab dem Moment, indem ich die Welt der Bücher (und später daraus resultierend auch die Kunst) für mich entdeckte, gab es dieses Wort nicht mehr... Meine Interessen weiteten sich durch das Lesen auch immer mehr aus. Ich kann mich noch gut an die Zeit vor diesem Aha-Effekt erinnern und hoffe, all jenen, die noch das "L-Wort" kennen, ein kleines bisschen geholfen und sie dem "Heureka!" ein wenig näher gebracht zu haben. Ein letzter Vorschlag von meiner Seite wäre, dass jemand, der eine ausgefallene Idee zur Freizeitgestaltung hat oder schon ein (außergewöhnliches) Hobby betreibt, seine Erfahrungen entweder im Durchbruch oder im Forum der Vereins-Homepage anderen zugänglich macht. Wünsche viel Spaß im "Freizeit-Paradies", vergesst darüber aber nicht das Fleißig sein!

Eure Nicole Vorberg

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